Sommerabend Happening

Zum 25-jährigen Bestehen des Kontrabassduos Studer-Frey
8. Juli 2023 Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, Zürich

Am Sommerabend Happening wird das Publikum ein erfrischendes Mini-Festival erleben: Improvisierte Musik, Musik und Tanz, Konzeptmusik, Musik und Text, Deep Listening, vom Solo über Duo bis Quartett-Formationen. Der lange Abend wird mit einem poetischen Feuerspiel abgeschlossen.

1. Teil: 16:30
Kontrabassduo Studer-Frey und Peter Schweiger (Musik und Text)
Lilo Stahl und Harald Kimmig (Tanz und Musik)
Petra Ronner und Peter Schweiger (Musik und Sprache)
Umiak: Eva-Maria Karbacher, Christian Moser, Alfred Zimmerlin (Musik)
Markus Eichenberger - Christoph Gallio Duo (Musik)
Marie-Cécile Reber (Deep Listening)

19:30  Pause / Abendessen

2. Teil: 21:00
Lara Süss (Performance und Stimme)
Jürg Frey: Leaves, Instruments (2022) mit Jürg Frey und verschiedenen Musiker:innen (Musik)
Giancarlo Schiaffini und Hans Koch mit dem Kontrabassduo Studer-Frey und Peter Schweiger (Musik und Sprache)
Regula Huber, Beat Soller, Fredi Fassnacht (Feuerspiel)

Preise:
Aufführungen 1. oder 2. Teil: 30.--; 20.-- / Alle Aufführungen: 45.--; 30.-- / Abendessen: 50.--. Anmeldung Abendessen: info@studer-frey.ch bis 25. Juni 2023

Mit freundlicher Unterstützung:
Stadt Zürich Kultur, UBS Kulturstiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Cassinelli-Vogel-Stiftung, Dr. Adolf Streuli-Stiftung, Migros Kulturprozent, Schweizerische Interpretenstiftung

 

Texte der Mitwirkenden

Kontrabassduo Studer-Frey
Peter K Frey Kontrabass
Daniel Studer Kontrabass
Das Duo ist immer auf der Suche die eigene Sprache zu erweitern, als akustisches Kontrabassduo wie auch mit Elektronik, in Rauminstallationen, mit Texten und öfter auch mit geladenen Gästen. Pirmin Bossart schreibt: Diese musikalische Wachheit zu erreichen, ist vielleicht das wichtigste Ergebnis ihres Weges. Das Duo hat einen Punkt erreicht, wo es sowohl geräuschhaft-dichtes, klanglich sperriges als auch eher melodisches und atmosphärisch-emotionales Material handhaben, verflüssigen und jederzeit in neue Richtungen transformieren kann.

Lilo Stahl Tanz
Harad Kimmig Violine
Lilo Stahl und Harald Kimmig finden in ihrer Improvisation spezifische Formen der künstlerischen Kommunikation. Durch die gemeinsame Metasprache, die stets aus dem Augenblick heraus geschieht, sind beide Akteure in der Lage, zu jedem Zeitpunkt einen Prozess zu initiieren, weiter zu entwickeln und zu beenden. So weist die Performance über individuelle Statements der Beteiligten hinaus. Tanz und Musik verbinden sich zu einer neuen Form.
Petra Ronner Klavier
Peter Schweiger Sprecher
petra ronner und peter schweiger führen musik und sprache zusammen durch kombination, komposition und improvisation. aus der wechselwirkung der beiden medien entstehen produktionen zu themen wie dadaismus und kakanien oder zu autoren wie robert walser, karl kraus, max frisch, gerhard rühm und friederike mayröcker.

UMIAK
Eva-Maria Karbacher Saxophon
Christian Moser Ud
Alfred Zimmerlin Violoncello
Die Geschichte von UMIAK begann vor 5 Jahren, als Eva-Maria Karbacher (Saxophon) und Christian Moser (Ud) zu gemeinsamen Klangforschungen aufbrachen. 2021 luden sie für Performances mit einem Tanzprojekt den Cellisten Alfred Zimmerlin ein, die Band zu erweitern – was allen dreien so gefiel, dass UMIAK seither als Trio eine «working band» ist, die in Konzerten eine feine Kammermusik improvisiert.

 Gallio-Eichenberger
Markus Eichenberger Klarinette
Christoph Gallio Sopransaxophon
Die Bläser Eichenberger und Gallio haben sich dem Holzblasinstrument und der einfachsten Form der musikalischen Kommunikation – dem Duo – verschrieben. Zwei analoge Instrumente. Eine intime, persönliche Musik, ein Gespräch, ein Sinnieren, das nicht nur zwischen den beiden Musikern, sondern im transdisziplinären Sinne auch zwischen dem Publikum, dem Raum und den Auftretenden stattfindet. Analog in Zeit und Raum.

Deep Listening
Marie-Cécile Reber
wir werden uns zusammen auf das Zuhören und das Erzeugen von Klängen konzentrieren, um ein größeres Bewusstsein für unsere innere und äußere akustische Ökologie zu entwickeln, indem wir unsere Ohren für unsere Umgebung und die Klangteppiche unserer individuellen Umgebungen öffnen und unser Zuhören als eine Art Aktivismus, einen Prozess der Selbstentdeckung und klanglichen Selbstfürsorge in den Mittelpunkt zu stellen.
Es ist keine Erfahrung erforderlich, nur eine offene Bereitschaft zur Teilnahme!
(Instrumente sind willkommen)

Lara Süss
Lara Süss Stimme und Performance
dies ist ein text, der scheitert. ein text, der nicht weiter weiss, der einfach nicht funktioniert, egal wie gross und artig die bemühungen auch sind. dies ist ein text über ein stück oder fragment oder intendierte details, schon im vorhinein verurteilt, mit voller kraft gegen die wand gefahren. versagte stimme, angesagter stillstand.
Anhand von Klängen, Worten, Gesten, Texten untersucht die Stimm- und Performancekünstlerin Lara Süss das Scheitern.

Jürg Frey Leaves, Instruments (2022)
Jürg Frey Blätter mit Markus Eichenberger, Christoph Gallio, Harald Kimmig, Hans Koch, Petra Ronner, Lara Süss, Daniel Studer, Alfred Zimmerlin
Eine immer wiederkehrende Grundlage meiner künstlerischen Arbeit ist eine Haltung, in der die Zeit ohne Klang und ohne komponierten Inhalt vergeht. Es ist so etwas wie die emotionale Basis meiner Musik, und viele meiner Stücke bleiben ganz nahe an dieser Basis.  So ist es auch mit Leaves, Instruments. Das Stück hat ein musikalisches Material, das ganz im elementaren Bereich des Klanges bleibt. Auch im Bereich der Komposition bleibt das Stück elementar: Wenige präzise Entscheidungen, vieles ist offen gelassen für die Interpret*innen, jedoch nicht, um Raum für Improvisationen geben, sondern um das Stück in der Schwebe zu halten zwischen dem Nichts und ein wenig Klang.

 Hans Koch und Giancarlo Schiaffini mit Kontrabassduo Studer-Frey
Hans Koch Bassklarinette und Sopransaxopon
Giancarlo Schiaffini Posaune
Peter K Frey Kontrabass, Daniel Studer Kontrabass
Einer der oben genannten Erweiterungen des Kontrabassduos ist das 2012 gegründete Quartett mit den äusserst innovativen Bläsern Hans Koch und Giancarlo Schiaffini. Koch prägte zum Beispiel
den eigenständigen Sound von dem international bekannten Trio „Koch-Schütz-Studer“ und komponierte Musik für Hörspiele und Filme. Schiaffini seit Mitte der 60er Jahre aktiv in der improvisierten wie in der komponierten Musik, u.a. auch mit Luigi Nono, Giacinto Scelsi oder dem Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza.
                     


Zu den Texten von Peter Schweiger

kontrabassduo studer-frey mit peter schweiger
mit sicherheit hat gerhard rühm für seine ‘rede an österreich’ eine umfassendere adresse vorgesehen – aber zum beginn dieses sommerabendhappenings soll sie anschmiegsam und vieldeutig an alle anwesenden hier und heute gerichtet werden. umrahmt von der  klangwelt der beiden improvisierenden bässe lässt sie keine gelegenheit aus, uns alle beim gemüt zu packen und dabei gründlich den kopf zu waschen                    

petra ronner und peter schweiger
universelle darstellung und grimmige kritik des militärischen geschehens poltert aus ‘zuginsfeld’ von otto nebel. den assoziativen sprachfeldern wird ein impulsives und explodierendes klanggeschehen gegenübergestellt. angesichts unserer kriegslüsternen gegenwart könnte der versuch aktueller nicht sein, mit genauigkeitssinn und freiheitswillen einen widerpart mit dem umfassbaren zu proklamieren

giancarlo schiaffini, hans koch und kontrabassduo studer-frey mit peter schweiger
gegen ende unseres happenings ist durchaus ein akustisches unwetter angebracht – und ernst jandl hat mit seinem langen lehrgedicht, das er bescheiden ‘der blitz’ betitelt hat, die möglichkeit geboten, ein wahres getöse an wörtern, stimmklängen und lautfarben über die besucherinnen hereinbrechen zu lassen. und nach dem reinigenden gewitter öffnet sich behutsam und hoffnungsfroh eine lichte zukunft